Donnerstag, 13. Oktober 2016

Burgundreise Nord-Burgund 11.-14.10.2016: Avallon, Vézelay, Saint-Père, Semur-en-Auxois, Èpoisses, Fontenay, Alésia, Montréal

11.-14.10.2016: Maison d'Hôtes La Cimentelle (Vassy) - Fotoserien: Haus & Grundstück - Zimmer - Frühstück - Dinner
Maison d'Hôtes La Cimentelle, Avallon Unterkunft unserer Etappe Nord-Burgund(1) ist das Chambre d'Hôte(2) La Cimentelle am Rand der kleinen Ortschaft Vassy bei Avallon. Das Gebäude einer ehemaligen Zementfabrik des 19. Jh. liegt in einem gepflegten Parkgrundstück. Gästezimmer unterschiedlicher Größe sind individuell eingerichtet und hochwertig ausgestattet. Gästen steht eine gemütliche Lounge zur Verfügung. Das Table d’hôte des sympathischen Hauses bietet Abendessen inkl. Getränke zum festen Preis von 46 €. Mahlzeiten werden im angebauten Wintergarten eingenommen. Die Gastgeber betreiben eine engagierte Küche und verstehen sich als Botschafter französischer Esskultur. Abendlich frisch zubereitete abwechslungsreiche Menüs mit jahreszeitlichen regionalen Gerichten entsprechen dem Niveau gehobener Restaurants. Eine sensationelle Käseplatte mit exzellentem französischen Rohmilchkäse bildet den Abschluss. Servierte Weine sind natürlich Chablis und Pinot Noir aus der Region. Die Qualität der Weine steigert sich bis zur Premier Cru. Allmorgendlich begeistert uns ein eher unfranzösisch-reichhaltiges Frühstück.
Über Etappen unserer Burgundreise informieren die Reiseberichte:
- Post: Burgundreise 11.-16.10.2016 im Überblick
- Post: Burgundreise Süd-Burgund 14.10.2016: Beaune, Hôtel-Dieu des Hospices de Beaune, Route des Grand Crus, Château de La Rochepot
- Post: Burgundreise Süd-Burgund 14.-16.10.2016: Auton, Cathédrale Saint-Lazare, Augustodunum

11.10.2016: Avallon, Yonne - Fotoserie: Avallon
Avallon Am Nachmittag besichtigen wir die geschichtsträchtige, aber heute eher unbedeutende Kleinstadt Avallon. Vor mehr als 2000 Jahren war Avallon ein keltisches Oppidum des mächtigen Stamms der Haeduer, der sich am Gallischen Krieg beteiligte, auf dessen Spuren wir bei Alésia treffen (s.u.). Im Mittelalter wurde Avallon zu einer Festung ausgebaut, von der einige Teile erhalten sind. Im Zentrum des Ortes zeugt die mehrmals beschädigte und umgebaute romanische Stiftskirche St. Lazare von der ehemaligen Bedeutung der Stadt. Um Lazarus, der als 'armer Lazarus' (Lukasevangelium) und als 'auferweckter Lazarus' (Johannesevangelium) in zwei unterschiedlichen biblischen Gestalten auftritt, ranken sich zahlreiche Legenden, in denen die Gestalten mitunter verschmelzen. Das Geschäftsmodell des Pilger-Tourismus erwies sich mit bedeutenden Reliquien als äußerst lukrativ. Der Beweis von Echtheit dieser Reliquien war und ist Glaubenssache. Mehrere Orte erheben den Anspruch, 'echte' Reliquen des Lazarus aufzubewahren.


12.10.2016: Vézelay, Basilika Sainte-Marie-Madeleine - Fotoserien: Vézelay -Basilika Sainte-Marie-Madeleine
Vézelay, Yonne Im Nordwesten des Morvan liegt auf einem Hügel der Wallfahrtsort Vézelay. Nach Santiago de Compostela und Rom gilt Vézelay als wichtigstes Wallfahrtsheiligtum des christlichen Abendlandes.(3) Mit Reliquien der Schutzheiligen Maria Magdalena, die im 9. Jh. nach Vézelay gelangt sein sollen, erlangte Vézelay seine Bedeutung als Zentrum des Magdalenenkults und als Startort einer der Routen des Jakobsweges nach Santiago de Compostela.(4)
Der Magdalenenkult zog zahlreiche Pilger an und ermöglichte am Ort einer Vorgängerkirche im 12. Jh. den Bau der romanischen Basilika Sainte-Marie-Madeleine.(5) Die provenzalische Abtei Saint-Maximin reklamierte die Reliquien für sich und bestritt die Echtheit der Reliquien von Vézelay. Den Streit entschied Papst Bonifatius VIII. 1295 zugunsten von Saint-Maximin, womit der Niedergang von Vézelay einsetzte. Seit der Übergabe von Magdalenen-Reliquien an Vézelay (1870/76) strömen Pilger erneut nach Vézelay.

Sainte-Marie-Madeleine, Vézelay
Sainte-Marie-Madeleine, Vézelay
Langhaus Sainte-Marie-Madeleine, Vézelay
Hauptschiff Sainte-Marie-Madeleine
Tympanon der Vorkirche Sainte-Marie-Madeleine (Darstellung des Pfingstereignisses)
Tympanon Vorkirche Sainte-Marie-Madeleine
Skulpturen des äußeren Westportals wurden während der Französischen Revolution zerstört. Das Tympanon des Mittelportals (am Tag des Jüngsten Gerichts scheidet Christus als Weltenherrscher die Guten von den Bösen) und weitere Teile der heutigen Fassade sind eine neo-romanische Neuschöpfung des 19. Jh. von Viollet-le-Duc, die offensichtlich von der Kathedrale Saint-Lazar in Autun inspiriert ist, die wir 4 Tage später besichtigen.

Besucher betreten die Basilika durch eine Vorkirche (Narthex), die als Raum einer Reinigungs- und Durchgangsstation vom Profanen zum Sakralen für Zeromonien wie Taufe und Exorzismen genutzt wurde und bei großen Pilgerströmen als Refugium diente. Im Original erhalten ist das Tympanon des Hauptportals zur Innenkirche mit Darstellung des Pfingstereignisses (Aussendung des Heiligen Geistes an die Apostel). In Bögen der Archivolten sind zu missionierende Völker, Tierkreiszeichen und Arbeiten im Jahresverlauf dargestellt.

Raumeindruck und Licht im Inneren des zehnjöchigen Langschiffes wirken auf Besucher überwältigend. Die Architektur berücksichtigt den Lichteinfall, um je nach Sonnenstand und Jahreszeit bestimmte Punkte der Kirche auszuleuchten. Zur Sommersonnenwende treffen Sonnenstrahlen in der Mittagszeit auf den Mittelgang des Mittelschiffes und erzeugen ein Lichtband, das mit dem Sonnenlauf vom Ort der Finsternis im Westen zum Ort des Auferstandenen im Osten wandert. Farbwechsel von Säulen und Gurtbögen sind von maurischer Architektur inspiriert. Von überragender kunsthistorischer Bedeutung sind die Kapitelle der Säulen, deren figürliche Darstellungen Leitthemen des Guten und Bösen vielfältig variieren. Neben Themen des Alten und Neuen Testaments sind Ereignisse aus Heiligenlegenden, moralisierendere Themen sowie Szenen aus der griechisch-lateinischen Mythologie dargestellt.(6) Unterhalb des Chors der Basilika befindet sich eine Krypta der karolingischen Epoche (9. Jh.), in der vermeintliche Magdalenen-Reliquien aufbewahrt sind.


12.10.2016: Église Notre-Dame, Saint-Père-sous-Vézelay - Fotoserie: Église Notre-Dame
Notre-Dame de Saint-Père
Notre-Dame de Saint-Père
Wasserspeier an Notre-Dame de Saint-Père
Wasserspeier an Notre-Dame de Saint-Père
An der Cure liegt in einem Talkessel des Morvan in Sichtweite des Hügels von Vézelay die kleine Ortschaft Saint-Père-sous-Vézelay, die auf eine 859 gegründete Benediktinerabtei zurückgeht. Nach Plünderung und Verwüstung der Abtei durch Normannen (873) wurde das Kloster auf den benachbarten Hügel Vézelay verlegt. Mit dem Niedergang von Vézelay gewann der Ort Saint-Père-sous-Vézelay wegen seiner Salzquellen erneut an Bedeutung.(7) Eine Besichtigung archäologischer Stätten an den Salzquellen würde jedoch unser Programm sprengen. Einen nur kurzen Stopp auf unserer Exkursion rechtfertigt die sehenswerte spätgotische Kirche Église Notre-Dame de Saint-Père. Die ab dem 13. Jh. im Ort Saint-Père-sous-Vézelay errichtete Kirche gilt als Meisterwerk der Spätgotik und steht seit 1840 als Monument historique unter Denkmalschutz. Trotzdem ist ein erheblicher Renovierungsbedarf nicht zu übersehen.


12.10.2016: Semur-en-Auxois - Fotoserie: Semur-en-Auxois
Pont Joly, Semur-en-Auxois, Côte-d’Or
Pont Joly, Semur-en-Auxois
Notre-Dame, Semur-en-Auxois
Notre-Dame, Semur-en-Auxois
Die ehemals als Festung ausgebaute mittelalterliche Stadt Semur-en-Auxois liegt auf einem Granitplateau und hatte bereits keltische und römische Vorgänger. Von der Pont July bietet sich ein malerischer Blick auf die Stadt, die sich trotz einiger Sehenswürdigkeiten aus der Nähe als eine eher vernachlässigte Kleinstadt präsentiert. Von der ehemaligen Zitadellenbefestigung sind noch 4 Rundtürme erhalten sowie das Stadttor Porte Sauvigny. Höhepunkt des Ortes ist die dreischiffige Kirche Notre-Dame (13.-14. Jh.). Sie gilt als eines der Hauptwerke gotischer Architektur in Burgund. Während der französischen Revolution wurde die Kirche zerstört und ab 1844 unter der Leitung von Viollet-le-Duc grundlegend restauriert. (Bildergalerie der Kirche Notre-Dame aus der internationalen Datenbank Structurae für Bauwerke und Bauingenieure)



12.10.2016: Château d'Èpoisses - Fotoserie: Château d'Èpoisses
Château d'Époisses, Côte-d'Or Époisses kennen wir als einen aus Kuhmilch hergestellten und zu einem strengen Geruch neigenden würzigen Käse für Fortgeschittene (Zeit Online: Die Reifeprüfung). Der Name des Käse verweist auf die gleichnamige Gemeinde Époisse in der Umgebung einer Schlossanlage im Département Côte-d'Or.
Château d'Èpoisses (Château de Bourbilly) war im 6. Jh. eine Festung des Herzogtums Burgund. Das heutige Schloss mit festungsartigem Grundriss geht auf das 14. Jh. zurück. Im 17. Jh. wandelten die Schlossherren die Festung in ein Wohngebäude um. In Sommermonaten stehen Innenräume zur Besichtigung gegen Gebühr offen. Wir schlendern lediglich durch den vom Stadtplaner und Gartenarchitekten Jean-Charles Alphand gestalteten Schlosspark und besichtigen den sehenswerten Taubenturm, ein Hoheitszeichen des 15. Jh.. Pro Hektar Landbesitz war ein Nistfach gestattet. Der Taubenturm sieht Nischen für ca. 3000 Tauben vor.


13.10.2016: Abbaye de Fontenay - Video der ARD-Mediathek Schätze der Welt - Webseite Abbaye de Fontenay - eigene Fotoserie: Fontenay
Hauptschiff und Chor der Basilika Abbaye de Fontenay
Hauptschiff Basilika-Langhaus
Querschiff, Madonnenstatue, Totenpforte in der Basilika Abbaye de Fontenay
Querschiff, Marienstatue, Totenpforte
Madonnenstatue, 13. Jh., in der Abbaye de Fontenay
Marienstatue
Trotz regnerischen Wetters erweist sich der Besuch der Abbaye der Fontenay als ein herausragendes Highlight unserer Burgundreise. Die Art und Weise, in der ethische Prinzipien von Schlichtheit, Strenge und Klarheit in ästhetischer Formensprache von Architektur anschaulich werden, beeindruckt selbst Agnostiker. Besucher können mit der eindrucksvollen bildlichen Anschauung des Komplexes glücklich werden. Der Komplex und seine emotionelle Wirkung auf Besucher werfen jedoch auch Fragen auf. Die Architektur der Anlage beruht vermutlich nicht auf Zufällen, sondern auf Kalkülen, deren Protagonisten Bernhard von Clairvaux anführt. Das Programm dieser Architektur verbindet theologische Lehren mit politischen Zielen. Mischungen von Vision und Strategie zielen auf 'Vermarktung' und nutzen Methoden, die wir in der Gegenwart unter Psychologie, Marktstrategie und Werbung einordnen. Eine Sichtweise, die Architektur als materialisiertes Kondensat von Ideen, Visionen, Strategien versteht, fokussiert auf Fragestellungen und Deutungen zu Gedankenwelten und sozialen Kontexten, die sich jedoch an diesem Ort auf eine Welt beziehen, die uns in der Gegenwart fremd ist. Eine Betrachtung derartiger Fragestellungen überdehnt den Rahmen eines Reiseposts, weshalb dieser Post bei Objekten der Anschauung verweilt. Aspekte jenseits der unmittelbaren Anschauung der Klosteranlage greifen Anmerkungen in Fußnoten auf.

Kreuzganghof, Kreuzgang, Dormitorium der Abbaye de Fontenay
Kreuzganghof, Kreuzgang, Dormitorium, Kamin Wärmehalle
Aus einer Reformbewegung ehemaliger Mönche der Benediktenerabtei Cluny geht 1098 das Kloster Cîteaux (Keimzelle des Ordens der Zisterzienser) als Gegenentwurf zu Cluny hervor.(8) Bernhard von Clairvaux trat 1112 in das Kloster Cîteaux ein und erhielt 1115 den Auftrag zum Aufbau des Kloster Clairvaux. 1118 gründete Bernhard in sumpfiger Wildnis das Tochterkloster Abbaye der Fontenay, Schwesterkloster des Klosters Eberbach im Rheingau, dessen Gründung 1136 ebenfalls auf Bernhard von Clairvaux zurückgeht.(9)
Nach bewegter Geschichte(10) ist die Abbaye der Fontenay in der Gegenwart das einzige nahezu vollständig und weitgehend im Originalzustand erhaltene Zisterzienserkloster in Burgund mit der insgesamt ältesten erhaltenen Zisterzienserkirche. Die 1139-1147 errichtete achtjochige, 66 m lange und 16,70 m hohe Abteikirche mutet in der Betrachtung von außen eher wie ein Industriegebäude an. Der Boden des asketischen Innenraums besteht (bis auf den Chor) aus gestampftem Lehm. Schlichte Architektur und sparsame Lichtdramaturgie des Innenraums erzeugen auf Besucher eine in Worten nicht zu beschreibende mystisch-emotionale Raumwirkung monumentaler Erhabenheit.

Antriebsachse hydraulischer Fallhammer der Schmiede Abbaye de Fontenay
Antriebsachse Fallhammer
Hydraulischer Fallhammer der Schmiede Abbaye de Fontenay
Hydraulischer Fallhammer
Schmiede und Fischteich Abbaye de Fontenay
Schmiede der Abbaye de Fontenay
Die ebenso schlichte wie wuchtige und zugleich handwerklich meisterliche Architektur der Abbaye der Fontenay beeindruckt in ihrer ästhetischen Geschlossenheit auch jenseits der Basilika. Während wir den Parcours durch Kreuzgang, Dormitorium, Kapitelsaal, Skriptorium und Kalefaktorium durchschreiten, ergreift uns eine feierlich-andächtige Stille, die dieser Ort zu gebieten scheint. Typische Museumsatmosphäre kehrt erst abseits des inneren Klosters im Nebengebäude der mittelalterlichen Schmiede auf, die als einer der ältesten europäischen Industriebetriebe gilt. Das 53 m lange und 13,5 m breite Gebäude wurde Ende des 12. Jh. zweischiffig mit vier Sälen errichtet, die ein auf massiven Pfeilern ruhendes Kreuzrippengewölbe überspannt. Im westlichen Saal befindet sich die eigentliche Schmiede, in der ein mächtiger, hydraulisch angetriebener Fallhammer die Schmiedearbeit erleichterte. Das Kloster verhüttete Eisenerze, die in der Schmiede vor allem zu Werkzeugen verarbeitet wurden, die nicht nur dem Eigenbedarf dienten, sondern auch als Einnahmequelle vertrieben wurden.  
Sehenswert ist unter den öffentlich zugänglichen Nebengebäuden die zu einem Museum ausgebaute ehemalige Backstube des Klosters. Auf ausgiebige Rundgänge durch die attraktiven Außenanlagen verzichten wir in Anbetracht des feuchten Wetters.


13.10.2016: MuséoParc Alésia bei Alise-Sainte-Reine
Wo ist Alesia?.jpg

Geschichte Alesias im Zeitraffer
Bei der kleinen Gemeinde Alise-Sainte-Reine im Département Côte-d’Or lag das keltische Oppidum (eine eisenzeitliche befestigte keltische Siedlung mit stadtartigen Strukturen) Alesia, Hauptstadt der Mandubier, bei der im Jahr 52 v. Chr. der 'Showdown' des Gallischen Kriegs stattfand: Entscheidungsschlacht zwischen Caesar und Vercingetorix

Die Identifizierung von Alise-Sainte-Reine als keltisches Oppidum Alesia ist unter französischen Historikern nicht unumstritten(11). Zweifel an der Verortung des Schauplatzes ziehen sich als 'Running Gag' durch die Asterix-Ausgabe Nr. 11: Asterix und der Arvernerschild. Archäologische, geographische und linguistische Forschungen machen wahrscheinlich, dass sich bei Alise-Sainte-Reine das antike Alesia befunden haben dürfte und der Ortsname 'Alise' auf 'Alesia' zurückzuführen ist.

Nach der römischen Eroberung entwickelte sich das ehemalige Oppidum zu einer regional bedeutenden gallo-römischen Stadt mit mehreren Tausend Einwohnern. Die gallo-römische Epoche endete nach ca. 500 Jahren mit dem Niedergang des Weströmischen Reichs. Die Völkerwanderung, mit dem auch der ostgermanische Stamm der Burgunder vermutlich aus dem Oder-Weichsel-Gebiet nach Westen zog, beschleunigte den Niedergang des Weströmischen Reichs. Alesia verfiel. Bauwerke der Stadt dienten neu entstehenden Siedlungen als Steinbruch für Baumaterial.  

Besuchte Einrichtungen des MuséoParc Alésia befinden sich auf dem mutmaßlichen Gelände des römischen Hauptlagers der Belagerung im Jahr 52 v. Chr..(12) Der Eintrittspreis von 10 € pP (12 € in der Hauptsaison) berechtigt zum Besuch aller öffentlichen Einrichtungen des Museums und umfasst einen deutschsprachigen Audioguide. Franzosen scheinen Alesia noch nicht gefunden zu haben. Im Museum und seinen Außenanlagen trafen wir nur zwei weitere Besucher.

Interpretationszentrum MuséoParc Alésia - Fotoserie: Interpretationszentrum
Interpretationszentrum MuséoParc Alésia

Der zylindrische Rundbau des 2012 eröffneten dreistöckigen Gebäudes des Centre d’interprétation de la bataille d’Alésia symbolisiert die Einkesselung der von Vercingetorix angeführten Gallier durch römische Belagerer unter der Führung von Gaius Iulius Caesar. Die verglaste Fassade umspannt ein Netz von Balken aus Lärchenholz, das an römische Belagerungs- und Wachtürme erinnern soll. Die Ausstellung erklärt mit Filmen, Modellen, Karten, antiken Gebrauchsgegenständen sowie mit Nachbildungen von Waffen und Kriegsmaschinen die Eroberung Galliens durch Römer, die Belagerung von Alesia und Taktiken der Kriegsführung.

Die mit Eichen und Birken bepflanzte Dachterrasse bietet Ausblicke über die umliegenden Hügel, auf denen die römischen Armeen lagerten. Konturen der Hügel erkennen wir im nebligen Dunst nur schemenhaft. Im Außengelände lädt die 100 m lange Rekonstruktion einer römischen Schanzenanlage in Originalgröße zu Besichtigungen ein, auf die wir jedoch im Regen verzichten.

Archäologiepark MuséoParc Alésia - Fotoserien: Ausgrabungen - Gemeinfreie Zeichnungen
Umgrenzungsmauer des antiken Theaters - Archäologische Zone MuséoParc Alésia

Auf dem Plateau des Mont-Auxois veranlasste bereits Napoleon III. (1808–1873) archäologische Grabungen. Bauwerke des gallo-römischen Alesia wurden vermutlich auf Fundamenten und Kellern der gallischen Siedlung errichtet. Ausgrabungen der 'Site archéologique d’Alésia' erstrecken sich jedoch bisher nur über einen kleinen Teil der historischen Siedlung und der Belagerungstechnik und werden noch einige Jahrzehnte andauern. Der erschlossene Bereich ist selbst bei Regen sehenswert.

Da Mauern ehemaliger Bauwerke überwiegend abgetragen worden sind, ragen nur die Einfassungsmauer des Theaters und das Mauerwerk des Ucuetis-Tempels höher auf. Zu sehen sind Reste von Wohngebäuden an befestigten Straßen mit überdachten Säulengängen (Portiken), sakrale Bauwerke, Versammlungsstätten wie Forum und Theater, Werkstätten von Handwerkern. Gemeinfrei gestellte Pläne und Zeichnungen vermitteln Übersichten des Grabungsfelds und Ansichten historischer Gebäude.

Statue des Vercingetorix im MuséoParc Alésia - Fotoserie: Vercingetorix-Statue auf dem Mont-Auxois
Vercingetorix-Statue auf dem Mont-Auxois

Napoleon III. (1808–1873) gab bei dem Bildhauer Aimé Millet eine Statue des Vercingetorix in Auftrag und ließ diese 1865 auf dem Plateau des Mont-Axois aufstellen. Die 6,60 m hohe Statue aus Kupferblech steht auf einem 7 m hohen Steinsockel, den Viollet-le-Duc entwarf.
Das Gesicht der Figur zeigt Züge des Auftraggebers. Die Haltung drückt Resignation nach der Niederlage aus. Bildsymbolik und Details der Gestaltung prägen Klischees des 19. Jahrhunderts. Phantasie ersetzt historische Genauigkeit.


13.10.2016: Notre-Dame-de-l’Assomption in Montréal, Yonne - Fotoserie: Montréal
Chorgestühl Notre-Dame-de-l’Assomption, MontréalNotre-Dame-de-l’Assomption, Montréal Nach Rückkehr aus dem Zweiten Kreuzzug stiftete Anséric I., Herr von Montréal, ein Kanonikerstift und veranlasste den Bau der romanischen Stiftskirche Notre-Dame-de-l’Assomption (Mariä Himmelfahrt), die 1170 geweiht wurde. Architekt und Denkmalpfleger Eugène Viollet-le-Duc bezeichnete den Bau als ein „wahres Juwel der Architektur“ und nahm die Kirche in die Liste der monument historique auf. In der Kirche beeindruckt ein kunsthandwerklich bemerkenswertes Chorgestühl des 16. Jahrhunderts. (Wikipedia: Skulpturen des Chorgestühls

Anmerkungen
  1. Einen Überblick unserer Burgundreise beschreibt der Post Burgundreise 11.-16.10.2016 
  2. In Deutschland ist diese Kultur nicht etabliert. Dt. Synonym für Chambre d'Hôtes ist der Gruselbegriff 'Fremdenzimmer', passender ist 'Gästehaus', gemeint ist B&B. 
  3. Die außerordentliche Bedeutung dieses Ortes vermitteln historische Ereignisse: "Ostern 1146 ruft Bernhard von Clairvaux auf Geheiß Papst Eugens III. vor einer riesigen Menschenmenge (...) im Beisein von König Ludwig VII., der Königin Eleonore von Aquitanien und der Großen des Reiches zum Zweiten Kreuzzug auf. Mehr als ein halbes Jahrhundert später, 1190, treffen sich in Vézelay die Könige Philippe-Auguste und Richard Löwenherz mit ihren Armeen zum Dritten Kreuzzug nach Palästina [...] Vézelay wird nicht nur Sammelort der Pilger, sondern auch der Ritter aus ganz Europa. 1166 flüchtet hier Thomas Becket vor der Verfolgung des englischen Königs." (Klaus Bußmann: Burgund, Köln 1977, S. 171). Thomas Becket, der als Erzbischof von Canterbury aufgrund von Konflikten mit König Heinrich II. 1164 nach Frankreich ins Exil geflohen war, sprach in Vézelay den Bannfluch über König Heinrich II. von England aus.
  4. Gemäß Legenda aurea wurde Maria Magdalena mit Maria des Kleophas, Martha von Bethanien und Lazarus von Juden auf einem segellosen Schiff ausgesetzt, landete in dem französischen Fischerdorf Saintes-Maries-de-la-Mer und missionierte in der Provence. Nach ihrem Tod habe ein Mönch die Gebeine der Heiligen nach Burgund gebracht, wo ihr vermeintlicher Bruder Lazarus als erster Bischof von Autun verehrt wurde. Die dortige Kathedrale St-Lazare, durch ihre Architektur und die Einmaligkeit ihrer Kapitelle eine der schönsten Frankreichs, zeugt heute noch davon. Vézelay war neben Santiago und Rom eines der bedeutendsten Wallfahrtsheiligtümer des Abendlandes. 
  5. Chor, Querschiff, Südwestturm und Westfassade wurden im 13. Jh. im gotischen Stil angebaut.  
  6. Eine detaillierte bebilderte Beschreibung der figürlichen Darstellungen bietet die Webseite 'Das schöne Detail': Tympana und Kapitelle der Kirche Sainte-Marie-Madeleine in Vézelay
  7. Salzgewinnung und die kulturhistorische Bedeutung der Salzquellen von Saint-Père-sous-Vézelay lassen sich dank Radiokohlenstoffmethode und Dendrochronologie bis zur Jungsteinzeit nachvollziehen. Kelten betrachteten den Ort als ein Quellheiligtum und errichteten einen Steinkreis. Ein bei Grabungen entdecktes Grab wird der Hallstattzeit zugeordnet. Vom 1.- 3. Jh. bestanden am Ort römische Thermen. Ab Mitte des 14. Jh. galt in Frankreich das königliche Salzregal. Im 15. Jh. wurden die Salzquellen zugeschüttet, um den Schwarzhandel zu unterbinden. 1680 verbot König Ludwig XIV. bei Androhung einer neunjährigen Galeerenstrafe (für Frauen galt Züchtigung) und zusätzlich 500 Livre Buße die Entnahme und den Gebrauch von Salz aus den örtlichen Quellen. 1790 wurde die Salzsteuer abgeschafft.
    Seit 1964 ist die archäologische Stätte öffentlich zugänglich.
  8. Die 910 gegründete Benediktenerabtei Cluny entwickelte sich mit Zunahme von Reichtum und Macht zu einem religiösen Zentrum. Prachtenfaltung in höfischer Manier symbolisierte die Bedeutung des Klosters und entfernte das Klosterleben von Prinzipien einer ursprünglich monastischen Lebensweise.
    Im 11. Jh. spaltete sich eine Reformbewegung vom Orden der Benediktiner ab und gründete 1098 das Kloster Cîteaux (von dem sich der Name der Zisterzienser ableitet), um zu asketischen Idealen der Benediktsregeln zurückzukehren. Als Abt von Clairvaux übernahm Bernhard die führende Rolle eines Ideenspenders und Politkers des Ordens der Zisterzienser. Mit Bernhard von Clairvaux breitete sich der Orden mit Tochterklöstern rasch in ganz Europa aus. Bei Bernhards Tod (um 1153) bestanden bereits 350 Klöster. Um 1300 war der Orden in allen wichtigen Ländern Europas mit 742 Klöstern verbreitet.
  9. Die Konzentration auf Wesentliches verlangte eine der Welt abgewandte einfache Lebensweise und führte zur Gründung von Klöstern an Wasserläufen in abgeschiedenen Tälern abseits großer Städte und bedeutender Handelswege. Ethische Prinzipien der Erneuerung klösterlichen Lebens brachten Bauweise und Formensprache der Klosterarchitektur zum Ausdruck, die Bernhard von Clairvaux entwickelte. Bernhards auf Askese ausgerichtete Ordensregeln verbaten der Klosterarchitektur figürlichen Kapitellschmuck, Skulpturen, buntfarbige Fensterverglasung, Bilder und Schmuckformen. Bauregeln der Klosterkirche schrieben einen turm- und kryptenlosen Bau als Basilika mit hohem Mittelschiff, niedrigen Seitenschiffen und flach abschließendem Chor ohne Apsis vor.
    Bernhard von Clairvaux etablierte einen Standardtypus für Klosteranlagen, an dem sich Neugründungen orientierten. In der strengen Form wurden zisterziensische Bauregeln jedoch nur in der Frühzeit des Ordens angewandt (z.B. in Fontenay) und ab 1150 immer mehr aufgeweicht. 
  10. Fontenay entwickelte sich zu einem führenden geistlichen Zentrum der Region, in dem Mönche bedeutende Handschriften fertigten und sich erfolgreich in der Medizin und Heilkunde betätigten.
    Eine effiziente, auf Selbstversorgung und Genügsamkeit basierende Wirtschaftsweise förderte den Reichtum von Zisterzienserklöstern. Der entstehende Wohlstand zersetzte die ehemals asketische Lebensführung. Die Hauptlast handwerklicher Arbeit trugen Laienbrüder, ohne die Klostergüter nicht bewirtschaftet werden konnten. Ab dem 13. Jh. entfernten sich Zisterzienser von ihren Gründungsidealen, was dazu führte, dass sich Laienbrüder zunehmend neu aufkommenden Bettelorden anschließen, insbesondere Franziskanern und Dominikanern. Mit abnehmender Laienbruderschaft begannen die Klöster, Abgaben von abhängigen Pachtbauern zu erheben. Die Ausbreitung von Bettelorden stoppte die Entwicklung von Zisterzienserklöstern, die jedoch weiter bestanden. 1675 gehörten 724 Klöster dem Orden an.
    Das Klosterleben der Abbaye der Fontenay endete 1789 mit der Französischen Revolution. Im 19. Jh. wurde in den Gebäuden eine Papierfabrik betrieben. Den Verfall der Abtei stoppte die Bankierfamilie Aynard mit dem Kauf des Komplexes im Jahr 1906. Sie begannen mit einer bis heute andauernden aufwändigen Restaurierung und öffneten die Anlage der Öffentlichkeit als Museum. Im wiederhergestellten Zustand erklärte die UNESCO den Komplex im Jahr 1981 zum Weltkulturerbe 
  11. Streit um Geschichtspark: Wo liegt Alésia?
  12. Artikel von Berthold Seewald in 'Welt': Alesia – Wo Caesar den Vercingetorix vernichtete

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